MoRüBli Januar 2026
Die Kälte kehrt zurück
Ich habe keine Neujahrsvorsätze. Dafür Schnee, Kant, Knieprobleme und fast täglich ein Haiku.
Ein Monat in siebzehn Silben und einunddreißig Tagen
Einunddreißig Tage.
Einunddreißig Haikus.
Januar mit Kälte, die bleibt. Und manchmal blüht da was.
Mein Januar in Worten
Eine Freundschaft ging zu Ende, leise, fast unbemerkt.
Ein Moment war alles leicht, plötzlich war da nur noch Kälte.
So fühlt sich dieser Monat an: Manches vergeht. Einiges bleibt. Neues klopft an.
Die ersten Tage: endlich Winter. Der langersehnte Schnee kam: kurz still, dann Lärm auf den Pisten. Winterfreude, Winterstress.
Die Kälte ist massiv. Tagelang minus 15 Grad. Dann Tauwetter, und unsere Einfahrt mutiert zur Eisbahn. Glätte wie Beton. Schnee, hart wie Stein. Kein sanfter Winter mehr.
Ich schreibe überall: am Schreibtisch, im Auto, fahrend, diktierend, denkend zwischen hier und dort.
Projekte wachsen: Zeit:Insel, Unterwegs mit Worten, Hatschepsut.
Eine Frau mit Macht, Bart, Thron und der ewige Kampf, ernst genommen zu werden.
Zeilen fließen. Schnell.
Der Text geht online. Die Königin steht klar im Raum. 275 Impressionen, 15 Likes. Der Rest ist Rauschen.
Mutterbesuche: wie immer eine Mischung aus Herz, Hektik und Gummibärchen.
Und dann: Mutter und Tante sitzen zusammen, beide lachen. 800 Kilometer zwischen ihnen, 97 und 89 Jahre auf dem Buckel. Vermutlich das letzte Mal.
Langeweile. Manche Tage sind so: nicht gut, nicht schlecht, einfach nur seltsam leer.
Auch graue Tage reden. Nur hört man ihnen ungern zu.
Blumen helfen. Die lila Hyazinthe steht am Fenster, als würde sie den Frost ignorieren.
Neuer Pulverschnee: weiß, leise, ein bisschen Trost.
Ich gehe Skifahren, lege mich auf die Nase , das passiert mir selten.
Aufstehen tut weh, das blöde Knie schmerzt.
Ich will’s allein schaffen. Ich schaffe es. Punkt.
Dachboden entrümpeln. 15 Jahre Zeug in Kartons, drei Fahrten zum Wertstoffhof.
Loslassen macht freier. Neues braucht Leere.
Am 29. war mein Geburtstag. Schneelicht im Nebel draußen, ich liege faul im Bett und schreibe Haikus.
So beginnt ein Jahr.
Januar ist nicht Anfang, sondern Übergang. Kälte bleibt. Und manchmal – ganz plötzlich – blüht da was.
Dagmar Wienböker
Ich habe 30 Jahre lang geführt, beobachtet, mitgespielt und gewonnen. Jetzt schreibe ich darüber: über Macht, Sprache und Frauen, die beides kannten.

