MoRüBli 2026 – Monatsrückblick in Haikus mit Aquarell-Design und Möhre

MoRüBli Februar 2026

Ein Winter im Wackelmodus

Ich schreibe keine Vorsätze, aber fast täglich ein Haiku. Hier ist mein Februar in Versen mit einem kurzen Blick zurück.

Ein Monat in siebzehn Silben und achtundzwanzig Tagen

  • Glitzerschnee ganz hell.
    Versteckte Diamanten,
    Discolicht am Tag.

  • Knochen heilt sich selbst,
    Schneckenschnelles Wunderwerk,
    Ganzheit ist fast da.

  • Stadt. Neue Brille.
    Sehe scharf und anders aus.
    Im Café allein.

  • Patagonien.
    Weite flimmert im Kino,
    Kopf ist unterwegs.

  • Werkzeug wird Moral,
    Datenspuren überall,
    Nur KI ist bös.

  • Vierzig Jahre lang.
    Einmal im Jahr seine Stimme
    Noch immer vertraut.

  • Worte hingelegt.
    Um Bedeutung buhlen sie,
    Andre ruhn sich aus.

  • Altes Schreibtalent
    In entspannter Stille da.
    Endlich zuhause.

  • Von oben ein Schwall,
    Verachtung horizontal,
    Mitgefühl so schwer.

  • Ich liebe Haikus.
    Texte finden Weg zurück,
    Echo braucht Jahre.

  • Regen. Schnee. Gemischt.
    Braungraugrün verschwimmt zu Brei.
    Der Winter kneift still.

  • Wolfsstunde. Hellwach. 
    Stille. Denken und Schreiben.
    Bis der Kopf ganz leer.

  • Dreizehnter heute.
    Hunderte Kilometer weit.
    Nur Asphalt und ich.

  • Weil Sprache mich denkt.
    Deutsch blüht, wenn Gedanken gehn.
    Raus. Auf Papier. Jetzt.

  • Familienkram.
    Lange Sonntage mühsam,
    Um Liebe bemüht. 

  • Fotos, alte Zeit.
    Stets dieselben Geschichten.
    Junges Ich zwinkert.

  • Heimkehr, lang und müd.
    Zufahrt zugeschneit, versperrt.
    Schaufeln, dann ins Bett.

  • Vorfreude blitzt auf, 
    Urlaub naht, die Koffer rufen. 
    Leise, doch schon laut.

  • Fast hundert Jahre.
    Behutsam feiern, Lächeln,
    Faltig, warm und still.

  • Sonnenschein im Blick,
    Freiraum im stillen Moment.
    Kaffee. Seele. Ruht.

  • Worte wie Regen.
    Schnell, viel – Schauer statt Tropfen.
    Fluten, nicht rieseln.

  • Regen gluckst statt Schnee.
    Tropfen ploppen, Lawinen
    Rauschen talwärts ab.

  • Kegeln und Spielen,
    Freunde lachen, Freude trägt,
    Stimmigkeit bleibt.

  • Wandern, Matsch und Eis.
    Zwischen Winter – Bienen summen,
    Frühling ist schon da.

  • Leben: viel zu kurz,
    Schlechte Sätze, egal wie
    Lang oder kurz: weg!

  • Billard Lounge: Real
    Aus Ideen wird Wirklichkeit
    Träumen in drei D.

  • Textarbeit wie Schnitt,
    Nicht alles bleibt, was so wächst.
    Rosen brauchen Mut.

  • Krieg platzt hinein, bämm.
    Zwar weit weg, doch grummelnd laut
    Donner ohne Blitz.

Achtundzwanzig Tage.
Achtundzwanzig Haikus.
Februar war ein Winter im Wackelmodus. 

Mein Februar in Worten

Der Glitzerschnee täuscht. Winterillusionen, die kommen und gehen. Heimkehr nach langer Fahrt: Zufahrt zugeschneit. Zwei Stunden schaufeln wir. Die Fräse streikt. Wir fallen müde ins Bett. Der Winter gibt nicht auf. 

Am Monatsende gewinnt die Wärme. Die ersten Bienen summen.

Relaunch gibt es nicht nur für meinen Blog, eine neue Brille betritt die Bühne: Drama mit Prada. Die Stadt wird schärfer. Und anders. Glamour darf sein – und wo ist überhaupt mein roter Lippenstift?

Es ist der Monat der langen Autobahnfahrten. Freitag, der 13. – hunderte Kilometer nach Westfalen, nur Asphalt. Familienbesuch: lange Sonntage, mühsam, um Liebe bemüht. Manchmal reicht es, einfach nur da zu sein.

Fotos aus alten Zeiten. Stets dieselben Geschichten. Mein junges Ich zwinkert mir zu.

Wir feiern fast hundert Jahre – meine Mutter und ich. Behutsam, mit Lächeln in faltigen Gesichtern. Warm und still.

Das Telefon klingelt. Vierzig Jahre Freundschaft, einmal im Jahr spreche ich mit einem Studienfreund. Wir altern beide, doch unsere Stimmen bleiben vertraut.

Meine Februartexte fließen. Ich groove mich ein, bekomme mehr Leser – 115 Abonnenten auf Substack inzwischen. Die Texte für März und April sind fast fertig. Sprache denkt mich, nicht ich sie. In den Wolfsstunden wird der Kopf leer: Stille, Denken, Schreiben. Bis nichts mehr da ist außer Worten. Worte werden hingelegt. Manche buhlen um Bedeutung, andere ruhen sich aus. Textarbeit ist wie Rosenschnitt, nicht alles, was wächst, darf bleiben.

Patagonien ruft. Im Kino flimmert die Weite, mein Kopf ist schon unterwegs. Mitte März geht’s los. Der Februar gehört noch der Vorbereitung, der Vorfreude, dem gedanklichen Packen. Die Koffer rufen leise.

Es gibt Abende mit Freunden. Kegeln, Spielen. Freude trägt und Stimmigkeit bleibt. 

Und es gibt stille Momente: Sonnenschein im Blick, Kaffee, Seele ruht.

Aus einer fixen Idee wurde ein Gespräch. Jetzt liegt der erste Plan in 3D auf dem Tisch: Unsere Billard Gäste Lounge im Dachgeschoss wird wohl im Sommer gebaut.

Und heute am letzten Februartag platzt ein Krieg in diesen Samstag hinein, fern, aber grummelnd laut.

Dagmar Wienböker

Ich habe 30 Jahre lang geführt, beobachtet, mitgespielt und gewonnen. Jetzt schreibe ich darüber: über Macht, Sprache und Frauen, die beides kannten.

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